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Die Glücksformel – oder wie die guten Gefühle entstehen

Seit einigen Jahren gibt es ein neues Thema in der Forschung, die Glücksforschung. Das ist ein sehr schwieriges Gebiet. Zum einen sind die Momente des Glücks so schwer zu fassen, zum anderen bedeutet Glück für jeden Menschen etwas anderes. Die deutsche Sprache kennt sogar für zwei so verschiedene Zustände wie „Glück haben“ und „Glück empfinden“ nur ein Wort.

 

Der Naturwissenschaftler Stefan Klein hat in seinem Buch „Die Glücksformel - oder wie die guten Gefühle entstehen“ den Stand der Forschung für Laien zusammengefasst. Sie können es auf 320 Seiten selber lesen. Hier eine kurze Zusammenfassung:

 

Wissenschaftler müssen immer alles messen, sonst gelten ihre Erkenntnisse nicht viel. Wenn Glück schon kaum beschrieben werden kann, wie soll man es dann erst messen? Nun, man reist um die Welt und untersucht das Lächeln. Bei diesen Untersuchungen hat sich dann herausgestellt, dass es 19 verschiedene Weisen des Lächelns gibt. Hinter den meisten steht nicht Glück sondern Freundlichkeit, Höflichkeit, Fotografiertwerden oder Ähnliches.

 

Nur hinter einem davon steht das Glück. Von diesem Punkt aus sind die Forscher dann weitergegangen. Sie fanden heraus, dass genau dieses Lächeln nicht willkürlich herbeigeführt werden kann. Es nimmt seinen Ausgang ebenso sehr im Körper wie im Gehirn. Wenn wir Glück empfinden steigt der Puls ein wenig, die Hauttemperatur erhöht sich um 0,1 Grad, der elektrische Hautwiderstand sinkt und sogar die Finger zittern ein wenig runder also normal. Im Hirn ist der Hirnstamm, der unbewusste Teil, der auch für Schlafen, Wachen, Puls und Verdauung zuständig ist aktiv.

 

Dass man nicht beschliessen kann, glücklich zu sein, wussten wir auch ohne die Forscher. Die haben nun aber untersucht, ob man nicht die Mechanismen herausfinden kann, wie Glück funktioniert, und das dann bewusst herbeiführen.

Sie fanden heraus, dass für das Glück, die guten Gefühle, eher der vordere, linke Teil des Hirnes zuständig ist und für das Negative der vordere, rechte Teil.

 

Der Mensch reagiert auf Negatives stärker als auf Positives. Das hat man in einem Experiment herausgefunden, in dem Menschen Fotos von negativen und positiven Ereignissen gezeigt wurden, und gemessen wurde, wie stark das Hirn darauf reagiert. Beide Hirnhälften funktionieren unabhängig voneinander. Daraus folgt Regel Nr. 1 für ein glückliches Leben:

 

 

1. Schaffen Sie sich angenehme Tagespunkte

 

Wie das erste Frühstück mit Kaffee und Croissants im Büro. Wenn Sie dann auf der Fahrt ins Büro im Stau stehen, freut sich die linke Hirnhälfte auf das bevorstehende Frühstück, die rechte ärgert sich über den Stau. Der stärkere gewinnt.

 

Die Forscher haben weiter herausgefunden, dass es Menschen gibt, bei denen die Glückhirnhälfte dominiert und andere bei denen die Unglückhälfte dominiert. Das kann durch Vererbung und Umwelteinflüsse so geworden sein. Man kann es aber durch bewusste Lebensführung erreichen, dass die Glückhälfte dominant wird. Eine Methode ist Meditation. Schon haben wir Regel Nr. 2 für ein glückliches Leben:

 

 

2. Meditieren Sie viel

 

Dabei fassen Sie den Begriff nicht zu eng. Meditation heisst schliesslich Versenkung. Eine einfache und wirksame Art trainieren wir im mentalen Training. Wer mentale Techniken anwendet, macht das ja sowieso.

 

Man kann aber auch sich in sein Inneres versenken und einen Bibeltext meditieren, man kann sich aber auch in die Wahrnehmung versenken und völlig versunken einer Ameise zuschauen, oder man kann sich in die Arbeit versenken wie die Schriftsteller, Dichter und Gärtner, die stunden- und tagelang arbeiten und die Welt ausserhalb ihrer Aufgabe nicht mehr wahrnehmen. Man kann sich sogar in den Sport versenken, wie die Bergsteiger in der Steilwand.


Schliesslich haben die Forscher herausgefunden, dass das Hirn bis ins hohe Alter hinein immer weiter sich wandeln kann. Es werden bei Aktivität immer neue Verbindungen zwischen verschiedenen Stellen im Hirn geschaffen. Je öfter auf einen äusseren Reiz eine Reaktion folgt umso mehr werden die beiden im Hirn körperlich verbunden. Das führt zu breiten „Strassen“ im Gehirn die entsprechend öfter benutzt werden. Das führt zu Regel Nr. 3 für ein glückliches Leben:

 

 

3. Leben Sie unangenehme Gefühle auf gar keinen Fall aus

 

Ja warum denn das, fragen viele Menschen. Leben Sie negative Gefühle aus, verstärken Sie in Ihrem Gehirn diese negativen Gefühlsreaktionen.


Ein Beispiel: Wenn Sie in einen Wutanfall ausbrechen und den Autofahrer anschreien, der Ihnen gerade den Parkplatz weggenommen hat, als Sie schon den Blinker gesetzt hatten, mag Ihnen das ein paar Augenblicke lang Befriedigung verschaffen.

 

Den Parkplatz werden Sie in den meisten Fällen wohl kaum erobern und, was schlimmer ist: Sie haben der Wut in Ihrem Gehirn in zukünftigen Situationen einen Weg gebahnt. Wenn sich das nächste Mal im Verkehr jemand rücksichtslos benimmt, wird Ihre Reaktion vermutlich noch heftiger ausfallen, denn die Verknüpfung zwischen „ungezogener Fahrer“ und „Ärger“ hat sich verstärkt.


Seine Wut mit einem Wutanfall bekämpfen zu wollen, heisst also, Öl in die Flammen zu giessen. Statt das unangenehme Gefühl zu beherrschen (wie man das genau macht üben wir im mentalen Training) werden wir ihm in Zukunft nur noch mehr ausgeliefert sein.

 

Dann haben sich die Chemiker die Frage gestellt. Warum nehmen Menschen eigentlich Opium und andere Drogen? Doch auch weil sie dadurch so etwas wie Glücksgefühle haben. Opium ist so etwas wie ein Schlüssel. Also muss im Körper doch so etwas wie ein Schloss dafür vorhanden sein. Aber warum sollte der Körper das haben? Sie haben sich dann auf die Suche gemacht, und körpereigene Substanzen gefunden, die ganz genau in das „Opium-Schloss“ passen und viel wirksamer als Opium sind. Die Opioide. Opium macht süchtig, Opioide nicht.

 

Endorphine sind Substanzen, die zu den Opioiden gehören. Immer, wenn wir Genuss empfinden, sind im Gehirn grosse Mengen an Opioiden vorhanden. Dann hat man festgestellt, dass es schon genügt, dass der Mensch sich eine genussreiche Situation vorstellt, und schon werden Opioide ausgeschüttet. Daraus folgt gleich Regel Nr. 4 für ein glückliches Leben:

 

 

4. Malen Sie sich den Idealzustand möglichst oft und plastisch aus

 

In anderen Worten: Programmieren Sie Ihre Ziele regelmässig. Wer mentale Techniken kennt, macht das sowie so. Andere Menschen können hier einwenden: Ja, ja, und dann liegen die Leute faul herum und träumen vom glücklichen Leben. Die Natur hat aber dafür gesorgt, dass es nicht beim Träumen bleibt.

 

Das Hirn setzt nämlich beim Vorstellen des ersehnten Zustandes noch einen anderen Stoff frei: Das Dopamin. Dopamin ist das Molekül des Begehrens. Wir werden optimistisch, wacher, und strengen uns an das zu bekommen, wonach uns der Sinn steht. Zusätzlich macht Dopamin uns aufmerksam, wach, fördert das Lernen und aktiviert. Daraus folgt die Regel Nr. 5 für das Lernen, was ja auch zu einem glücklichen Leben gehört:

 

 

5. Mit positiver Grundhaltung lernen Sie am besten

 

 The brain runs on fun. Wenn dann das so schön vorgestellte, dann begehrte und dann durch Aktivität erreichte endlich da ist, dann gewöhnen wir uns daran, es bereitet keine Lust mehr, sondern seine Abwesenheit bereitet Frust. Wir streben danach, etwas zu erreichen, was das Gewohnte übertrifft.

 

Das kann nicht nur mehr Lohn besseres Essen oder eine Goldmedaille sein, sondern einfach mehr Neues: Veränderung. Die können wir einerseits durch Passivität erlangen, indem wir vor dem Fernseher sitzen und uns mit Tratsch und Mode vollaufen lassen. Wir können sie aber auch aktiv erlangen, indem wir Reisen unternehmen, neue Projekte starten, Sprachen lernen etc. Daraus folgt Regel Nr. 6 für das glückliche Leben:

 

 

6. Setzen Sie sich hohe Ziele

 

Sie werden lange brauchen, um Sie zu erreichen und können lange im Glück des Begehrens baden. Das Glück des Geniessens ist immer kurz. In den Urzeiten der Menschheit war Begehren immer mit körperlicher Aktivität verbunden. Mann musste die Beeren sammeln, die Hirsche jagen, das Wasser holen, das Holz sammeln, das Essen kochen.

 

Das ist heute nicht mehr nötig. Darum hat der Mensch den Sport erfunden und die Wissenschaftler haben es nun x-fach gemessen und bewiesen: Wer regelmässig Sport treibt, fühlt sich besser, hat mehr Selbstvertrauen, weniger Angst und ist seltener niedergeschlagen. Daraus folgt Regel Nr. 7 für das glückliche Leben:

 

 

7. Seien Sie viel körperlich aktiv

 

Nun ist es klar, dass es viel Niedergeschlagenheit, ja Depression auf dieser Welt gibt. Die Forscher sind auch dem nachgegangen und haben ein Experiment mit seelisch gesunden Menschen durchgeführt: Sie haben ihnen Sätze wie „das Leben ist nicht lebenswert“ zu lesen gegeben und dazu traurige Musik (Sergei Prokofjews Orchesterstück „Russland unter dem Joch der Mongolen“ mit halber Geschwindigkeit) vorgespielt.

 

Nach kurzer Zeit klagten die Versuchspersonen über gedrückte Stimmung, Unlustgefühle und fühlten sich wertlos. Die Aktivität in ihren Gehirnen entsprach derjenigen von Menschen, die wegen Depressionen in klinischer Behandlung waren. Daraus folgt Regel Nr. 8 für ein glückliches Leben:

 

 

8. Halten Sie negative Nachrichten von sich fern

 

Sehen Sie vor dem Schlafengehen nicht noch die Tagesschau, sondern lesen Sie stattdessen ein gutes Buch oder beschäftigen Sie sich mit Ihren Zielen. Nun haben sich nicht nur die Naturwissenschaftler sondern auch die Sozialwissenschaftler der Glücksforschung angenommen.

 

Die haben herausgefunden, dass die Menschen eine Reihe von Techniken entwickelt haben, um sich das eigene Glück zu vermiesen. So merken wir meist nicht, was uns glücklich macht. Wir erinnern uns auch nicht an das durchschnittliche Glück oder Unglück sondern nur an die Extremwerte.

 

Ein kurzer Moment grossen Ärgers überlagert einen ganzen Tag mittleren Glücks. Wenn wir nicht ganz soviel Glück erhalten, wie wir erwartet haben sind wir unglücklich. Im Vergleich mit anderen, die wir nur von aussen kennen, schätzen wir uns meist schlechter ein. Der Neid macht uns zu schaffen. Wir jagen nach Geld und Status, obwohl wir wissen, dass beides nicht glücklich macht. Daraus folgt Regel Nr. 9:

 

 

9. Führen Sie ein Glückstagebuch

 

Führen Sie Buch über die glücklichen Momente des Tages. Die Sozialwissenschaftler haben dann gleich erdumspannende Untersuchungen mittels des Glücksindexes erhoben und Erstaunliches gefunden: Zu den glücklichsten Menschen auf der Welt gehören die Schweizer mit 92 (von 100 Punkten).

 

An den Alpen kann es nicht liegen, denn die Österreicher sind mit 82 nicht so gut dran. Am hohen Wohlstand kann es auch nicht liegen, denn die Puertorikaner sind mit 88 nicht wesentlich unglücklicher aber viel ärmer. Es liegt am politischen System: der direkten Demokratie.

 

Das gilt auch auf der individuellen Ebene: Je mehr Kontrolle wir über das eigene Schicksal haben, desto glücklicher sind wir. Lieber arm und frei als ein reicher Knecht. Daraus folgt Regel Nr. 10:

 

 

10. Streben Sie nach Selbstbestimmung

 

Damit können wir auch einen Einwand entkräften, der zu Regel Nr. 8 immer wieder gebracht wird: „Die Welt ist schlecht, ich kann doch nicht die Augen davor verschliessen“. Entscheidend ist mein Einfluss. Ich kann das Unglück in Afghanistan nicht ändern, weil ich praktisch keinen Einfluss darauf habe.

 

Wir wissen jetzt: Glück ist trainerbar, nur machen die meisten Menschen die falschen Übungen. Sie haben jetzt, in diesem Augenblick die Wahl: 

  • Sie werden aktiv, lernen und trainieren Sie im Stähle-Mental-Training die beschriebenen Regeln für ein glückliches Leben.

  • Sie lesen zuerst Buch „Die Glückformel“ als Buch oder hören die CD „Die Glücksformel“

  • Sie tun gar nichts und erkennen sie sich eventuell in den folgenden Zeilen von Helmut Gebhard:

    Es klopft an der Tür

    und ich frag, wer ist hier?

    Ich bin’s das Glück!
    Tönt es leise zurück.

    Das Glück. – ich denk ich spinn,
    mitten in der Woche drin.

    Es tut mir leid,
    fürs Glück hab ich heut keine Zeit.

    Ich muss noch viele Dinge tun,
    hab keine Zeit um auszuruhn.

    Da las ich doch kein Glück herein,
    man kann ja nicht einfach glücklich sein!

Das Glück kommt oft
ganz unverhofft,
doch wenn’s mit meiner Zeit nicht klappt,
dann hat das Glück halt Pech gehabt.“

 

Für was entscheiden Sie sich?
 

 

 
 

   

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