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Na, da sagen sich die meisten:
"Klar, bin ich offen und flexibel!" Ich bilde
mir immer ganz offen eine rechte Meinung, so komme
ich zu einem richtigen Urteil. Und nach dem rechten
Wort kommt die rechte Tat.
Unsere, so wichtige Meinung bilden wir uns
(hoffentlich) aus verschiedenen Quellen. Und da gibt
es schon vier Möglichkeiten:
A.
Quelle gut - Information gut
B.
Quelle nicht gut - Information nicht gut
C.
Quelle gut - Information nicht gut
D.
Quelle nicht gut - Information gut
Fall A ist einfach
Aus einer bestimmten Quelle (z.B.
Zeitung, Mensch) die wir gut finden, hören oder
lesen wir etwas, was wir in die Kategorie
"Richtig" einordnen. Alles bestens.
Fall B ist auch einfach
Aus einer Quelle die wir nicht
besonders mögen kommt ein Nonsens.
Fall C jetzt wird es
interessant
Aus einer Quelle die wir
eigentlich OK finden, kommt (ausnahmsweise?)
Nonsens. Überprüfen wir auch das kritisch? Wie
sieht das auf der persönlichen Ebene aus?
Das "kleine" Beispiel: Kam
doch kürzlich mein E-Mail an die gute Anna Plamlum,
(Name leicht modifiziert) wohnhaft in D wieder
zurück: "Adresse unbekannt" Also schrieb ich ihr
einige Zeilen und machte den Vorschlag: Kauf dir
doch deine eigene Domain. (bei
http://www.denic.de )
Plamlum.de ist sogar noch frei
und dann hast Du deine Adresse für die nächsten
Jahre. (für CH:
http://www.nic.ch )
Antwort von Anna: "Das geht in Deutschland
nicht und bei t-online schon gar nicht. Das hat mir
mein Bekannter Otto gesagt und der arbeitet seit 15
Jahren in der Computerbranche."
Ein typischer Fall C: Quelle OK (Otto, der
Bekannte, 15 Jahre Computerbranche), aber Botschaft
Nonsens.
Eine einfache Überlegung zeigt das: Viele
Firmen und Privatpersonen in Deutschland haben eine
eigene Domain. Und auf alle diese Kunden soll die
T-Online freiwillig verzichten? Wohl kaum. Tatsache:
Ich kenne mehrere Kunden von T-Online.de, die ihre
eigene Domain haben.
Das grosse Beispiel:
Denken Sie an das Wort "Opinion Leader" also unsere
sogenannten Meinungsmacher. Da sagt z.B. ein
Politiker etwas und viele Menschen sagen ja,
hauptsächlich nur weil Ihnen Politiker sympathisch
ist. Die Botschaft wird nicht mehr kritisch
hinterfragt. Auch so entsteht auch Rassismus.
Fall D Quelle nicht OK,
Botschaft OK ist anspruchsvoll
Das kleine Beispiel:
Da sagt die Frau voller Freude zu Ihrem Mann: "Du
könntest mich ja öfters Küssen." Wie kommst Du
darauf, antwortet dieser kritisch. "Mindestens ein
Kuss pro Monat ist gut für das seelische
Gleichgewicht" antwortet die Frau. "Wo hast Du denn
diese Weisheit her", fragt der Mann.
Die Frau antwortet: "Das
stand in einem Heft von Beate Uhse!" "Also komm mir
bloss nicht mehr mit Weisheiten dieser Frau und was
liest Du da überhaupt." Und damit ist für den Mann
das Thema erledigt. Nur weil ihm die Quelle nicht in
den Kram passt, wird auch die Botschaft nicht
beachtet. Wer so durch die Welt geht, hat das
sprichwörtliche Brett vor dem Kopf.
Beispiel Politik: Vor vielen Jahren hörte ich
folgendes Gespräch:
Hans: Hast Du der Initiative bei der
Volksabstimmung am Wochenende zugestimmt?
Egon:
Nein, sicher nicht!
Hans:
Warum?
Egon:
Die wurde doch von der POCH (= ehemalige CH -
Partei, links) eingereicht. Initiativen aus
dieser Ecke lehne ich doch grundsätzlich ab.
Und falls die Initiative doch gut gewesen wäre? Ein
klassischer Fall D und ein Hinweis auf einen geistig
wenig flexiblen Mitmenschen. Ideen abzulehnen, nur
weil einem die Quelle nicht passt - auch so entsteht
Rassismus.
Der Schweizer
Bertrand
Piccard wurde nach der ersten erfolgreichen
Fahrt rund um die Erde in einem Ballon von einem
Reporter gefragt: "Können sie sich vorstellen,
jetzt politisch aktiv zu werden?" "Nein"
antwortete
Bertrand
Piccard, "Auf keinen Fall, da
müsste ich ja Ideen, die ich gut finde
bekämpfen, nur weil sie von einer anderen Partei
kommen, als der, der ich angehöre."
Eine schöne Antwort und ein
Hinweis auf die Unfähigkeit vieler Menschen (nicht
nur Politiker) mit den Fällen C und D umzugehen.
Falls Sie Unternehmer sind: Angenommen, Sie
hätten Mitarbeiter, die eine wichtige Information
nicht beachten, nur weil ihnen die Quelle nicht in
den Kram passt?
Fazit
Der verschlossene Geist kann gut
mit Fall A und B umgehen. Die Fälle C und D sind für
den "offenen" Geist eine Herausforderung. Aber
man kann ja auch den Geist trainieren.
Fragen Sie sich in Zukunft ab und zu nachdem Sie
eine Botschaft gehört, gesehen oder gelesen haben:
Finde ich die Quelle gut oder nicht gut? Kann ich
mir mein Urteil unabhängig davon bilden?
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